Schwächen annehmen und innere Bilder dazu nutzen
Ich könnte jetzt wissenschaftliche Studien und klinische Erfahrungen zitieren, von Brené Brown, Kristin Neff, Stefanie Stahl und anderen, die sich mit der Kraft unserer vermeintlichen Schwächen auseinandergesetzt haben und Euch einladen: Stehe zu Dir, so wie Du bist, das macht Dich stärker.
Doch das ist so leicht gesagt und furchtbar abstrakt.
Was mir bei dieser wichtigen Aufgabe hilft, sind meine inneren Bilder. Es sind Metaphern und zugleich Container, die meine Schwächen verwandeln, in Anteile, mit denen ich leben will – und kann. Meine Bilder und Geschichten machen den komplizierten Stoff, aus dem ich – aus dem wir alle – gewebt sind, erträglicher, handhabbarer und manchmal sogar liebenswert.
Ein erster Schritt auf dem Weg zur Liebe für meine Ungereimtheiten ist der Gang in den seelischen Keller. Und darüber habe ich eine kleine Geschichte für mich geschrieben, die ich hier mit Euch teile:

„Schon auf den Stufen hinunter schalte ich ein strahlendes, warmes Licht ein und nehme meinen Teddy mit in den Keller, in den ich meine Angst, meine Wut und Trauer gesperrt habe.
Ein zittriges Etwas ist meine kleine Angst, fünf Jahre alt, die sich gleich auf meinen Schoß kuschelt. Ich nehme sie in den Arm und fühle mich geborgen.
Anders ist es mit der grantigen Ninja, meiner Wut, die mit ihrem Schwert auf die Kartoffelkiste drischt, sie zeigt mir den Stinkefinger. Für sie brauche ich noch eine Strategie, sie wird mir schon einfallen…
Dann ist da ein nervöser Zitteraal, meine Unsicherheit, sie schwimmt im beleuchteten Aquarium hinten an der Wand hin und her. …
Nach einer Weile nehme ich meine Kellerkinder an die Hand, klemme das Aquarium unter meinen Arm, weine ein paar Tränchen vor Rührung und Schmerz, dass ich sie so lange übersehen habe. Nun führe ich sie alle sanft ins Licht, über die Terrassentür direkt in den Garten, der ist mit einer hohen Rosenhecke gut geschützt.

Dort – im grellen Tageslicht – sehen sie ganz schön zottelig aus, verschmutzt, ja gruselig gar. Doch nach einer kleinen Erfrischung, die ich ihnen anbiete, sind sie sehr zugewandt und ich kann sie sanft abbürsten. Sie schütteln sich wie meine schmutzige Frieda, mein realer Labrador-Mischling, nach einem Modderbad, und sehen dann schon ganz manierlich aus.
Jetzt beginnt das Vertrautmachen. Einem Kellerkind nach dem anderen zeige ich, wie sie Sitz und Platz machen und belohne sie liebevoll mit Leckerli – so wie Frieda. Wie mein Hund schlagen auch meine Kellerkinder manchmal weiterhin über die Stränge. Frieda rastet aus, wenn Katzen unseren Weg kreuzen, meine Kellerkinder triggern andere Dinge, doch dann reagieren sie ganz ähnlich.
Doch allmählich wächst in mir die Hoffnung, dass wir ein richtig gutes Rudel werden. Ich ahne, dass meine Kellerkinder auch ihre guten Seiten haben. Bin sehr gespannt, was sie mir noch an innerem Reichtum schenken.“
So weit meine Story über meine inneren Anteile, die mir noch manchmal Schwierigkeiten bereiten. An Tagen, an denen ich mich nicht so liebevoll fühle, nenne ich meinen Kellerkinder-Garten auch meinen „Macken-Zoo“. Aber meistens kommen wir mittlerweile gut miteinander aus. Und gelegentlich gehe ich in den Seelenkeller und schaue, ob ich aus Versehen wieder eine Seite von mir eingesperrt habe, der ein bisschen Licht und Liebe gut täte.
Schreibeinladung:
Hast Du Lust, einen fiktiven Umgang mit Deinen inneren Anteilen oder Schwächen (die vielleicht verborgene Stärken sind) zu finden?
Dann darfst Du jetzt eine kleine Geschichte über Deine nicht so gern gesehenen Seelen-Bewohner:innen finden. Für jene, die Du am liebsten vor der Öffentlichkeit verbirgst. Stefanie Stahl spricht von den Schatten- und den Sonnenkindern in uns. Welche Bilder kommen Dir in den Sinn, wenn Du an Deine scheinbar negativen Seiten denkst?
Und wie könntest Du es Dir mit ihnen angenehmer machen?
Um sie überhaupt zu entdecken, ist vielleicht ein Sprungbrettsatz hilfreich:
Wenn ich ganz ehrlich wäre, …
Nun, schreibe Dir eine Geschichte, in der Du Dich mit Deinen scheinbaren Schwächen vertrauter machst. Das Ziel: Sie in Dein Haus holen und in friedlicher Koexistenz leben.
7 Minuten oder so lange es Dir gefällt.
Poste gern Kommentare oder die Ernte. Und bringe gerne Deine Story zum Vorlesen ins nächste Zoom-Treffen!